Nachtwächter-Führung
durch das alte Kirdorf um 1651

Ankündigung (im Museumshof)

Höret, höret!

Seid gegrüßet holde Damen und tapfere Recken.
Seid willkommen, ihr Gilde des wohlzüchtigen Museums.
Der hochwohlgeborene Schultheiss hoffet
Euch hat Euer köstlich Mahl und das löbliche Getränke gemundet.

Machet Euch bereit, denn die Stunde naht,
dass der Nachtwächter mit seinem Gesell
zu seinem allabendlichen Rundgange aufbrechen muss.
Schauet vorher im wohllöblichen Museum
noch auf das Modell unseres lieblichen Ortes.
Dort erkennet Ihr sogleich die Stationen,
an deren die Nachtwächter ihrem
ach so beschwerlichen Dienst verrichten mögen.

Machet Euch bereit, Ihr Bettler und Tagediebe.
Und vergesset nicht den Wirtsleuten ihren Lohn zu geben.
Gebt reichlich Silberlinge für Euer köstlich Mahl
- Ihr wisset ja – der Wirtleute Lohn
landet in des Museums leerer Geldkatze.

Also, machet Euch nundann bereit
– die Zeit eilet voran!

Gehabt Euch wohl!
Und habt Dank für Eure Einkehr und Euer Handgeklapper !


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1. Station (Museumshof)


Schellen-Signal

Hört Ihr Leut’ und lasst Euch sagen
die Uhr hat grade 10 geschlagen.

Macht Euch auf und geht ins Bett,
schlaft schnell ein und träumt auch nett;
denn morgen müsst Ihr früh aufstehen
und um kurz nach 9 zur Kirche gehen.
Denn morgen ist der Tag des Herrn;
aber darüber müssen wir Euch ja nicht belehrn.

Wir ziehen nun weiter unsere Runde,
versteckt die Frauen und die Hunde;
denn wir wollen uns ja nicht mit erbosten Eheleuten hauen,
sondern müssen überall nach dem Rechten schauen.
Wer will, der kann ja mit uns gehen,
um uns bei unserer schweren Arbeit zuzusehn.
Wir kontrollieren, ob Ihr das Feuer habt ausgemacht,
damit es nicht brennt die ganze Nacht.

Dabei schaun wir auch in alle Ecken,
damit sich dort kein böser Bube kann verstecken.
Und dabei – sozusagen nebenbei –
schaun wir bei dem einen oder anderen Schluri vorbei
und schaun, ob wir alle finden in ihren eigenen Stuben
oder ob sich ein Mädchen teilt das Bett mit nem Kirdorfer Buben.

Wir gehen nun los, gehen unsere täglichen Meilen,
wer mitgehn will, der sollte sich jetzt beeilen.
Aber zahlt vorher bloß Eure großen Zechen
sonst stecken wir Euch ins Loch, um dort bitter zu blechen.

Macht’s gut Ihr Leut’ und lasst Euch sagen
mittlerweile hat die Kirchturm-Uhr schon 5 nach 10 geschlagen.
Wir wünschen Euch eine gute Nacht –
und habt keine Angst, wir halten Wacht!

Schellen-Signal

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2. Station (Owwerport)

Schellen-Signal

Hört Ihr Leut und laßt euch saache
die Uhr hat eebe grad´ Viertel nach 10 geschlaache

Unn Ihr Nachberrn habt schon widder mal vergesse
Direkt nach euerm bissi Abendesse
Die Owwerport ordentlich zuzumache
- das ist doch wirklich net zum Lache
Auch wenn dess Door alt ist wie´n klapprische Schuppe
Hält´s doch die wilden Tiere ab, ins Ort zu schluppe
Aach Daachdiebe, Zigeuner und Gesindel bleibe drauße
Awwer wenn´s Door uufsteht sinn´se ja gleich beim Krause

Mir mache die Owwerport heut´für euch zu
Damit ihr weiterhin habbt Euer Ruh´
Euch nett mehr aus´m Haus müsst euch beweesche
Unn de müde Kopp könnt weiter uff´s Kisse leesche.
Doch hört Ihr Leute, seid auf der Hut
wenn Ihr´s moorje wieder vergesse tut
dann müsse mir euch hart bestraafe
zum Raabestaa müsst ihr dann laafe
um dort vor unser´m Hochgericht
ihr eure verdiente strenge Straafe kricht.

Und Ihr Hirte drauße vor unserm scheene Ort:
Euer Vieh stinkt heut widder schlimmer als de schlimmste Abbort.
Ihr verpestet mit eurem Gestank unsere herrliche Luft
für unser´n Ort ist´s eine Schande, von euern Küh derer Duft.
Morje früh gleich, wenn´s Vieh iss widder wach
Geht ihr gleich mit deene an de Bach
Nehmt dort die Rindviecher an ihrem Schopf
Und wäscht sie ab von Fuß bis Kopf
Und wäscht Euch anschliessend abber auch selber
Sonst stinkt Ihr weiter – so wie heut´ Euer Kälber!

Mir geh´n jetzt weiter auf unsrer tägliche Route
Wer mitgeh´n will, der sollte sich jetzt spute

Macht´s gut Ihr Leut und lasst euch saache
Mittlerweile hat die Kirchturm-Uhr schon 20 nach 10 geschlache
Wir wünschen euch vergessliche Daachdiebe, ne gute Nacht
- und habt kei´ Angst – mir passe auf euch alle acht!

Schellen-Signal

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3. Station (Weed)

Schellen-Signal

Hört Ihr Leut und laßt euch saache
die Uhr hat eebe grad´ ½ 11 geschlaache.

Geprüft ham mir grad wie jeden Daach des Wasser der Weed
und dachte geich – des stinkt heut abber bleed
Drin gewäsche wurde heut´widder viele verschwitzte Gäule
die beim Wäsche jedes Mal des ganze Schlampes aufwäule
obwohl doch de ganze Daach aach unser Kinner drin baade
Gott sei Dank hat des Schlampes bisher noch keinem geschadt.

Basst doch morje mehr uff die Qualität vom Wasser –also der Brühe
Sonst müsse mir zwaa Euch emal widder bemühe
Bevor irgend aaner krieht durch´s Wasser en Dubbe
müsst Ihr dann die ganz Weed ordentlich sauber schrubbe.
Die Weed wird gebraucht, auch zum Lösche von Feuer
kaa Wasser in de Weed net zu habbe, dess wird leischt deuer.

Unn iss des Becke gepflegt, das Wasser schee sauber und frisch
nutze miers soch viel lieber zum Wasche – und zum Koche bei Tisch.
Nemmt unser Ermahnung ernst und haltet Euch dran
egal ob Ihr e Weib seid – oder en Mann

Mir müsse jetzt weiter auf unsrer tägliche Runde
um alles zu kontrolliern und zu verkünde die Stunde.

Adschö Ihr Leut und lasst euch saache
Mittlerweile hat die Turm-Uhr schon Zwanzisch vor 11 geschlache
Wir wünschen euch alle eine geruhsame Nacht
- und habt kei´ Angst – mir passe auf euch alle acht!

Schellen-Signal

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4. Station (Schulplacke)

Schellen-Signal


Hört Ihr Leut’ und lasst Euch sagen
die Uhr hat grade ¼ vor 11 geschlagen.

Herr Schulmeister, Sie waren heute wieder streng zu unseren Kindern,
dabei wollen die doch was für in den Kopf statt was auf den Hintern.
Sie sind halt lebendig – das ist doch ganz schön –
wir wollten Sie erstmal sehn,
wenn die alles so machen, wie Sie wollen, dass sie sollen
und nicht mehr so wollen, wie sie selber es wollen.
Dann bekämen die doch einen Schlag – wahrscheinlich fürs Leben –
aber wir brauchen Gescheite und brauchen keine Blöden.
Sind Sie morgen zu unseren Kindern doch nicht mehr so streng,
dann werden Sie sehen, die Kinder haben Sie eigentlich gern.
Lassen Sie den Rohrstock zu Hause, es geht auch ohne schlagen;
Gewalt ist doch etwas aus früheren Tagen.
Erzählen Sie den Kindern doch lieber aus Ihrem reichhaltigen Wissen,
davon haben die mehr als von Ihren Schmissen.

Herr Hausmeister, heute sind die Aborte sauber und fein,
da gehen morgen die Kinder, wenn sie müssen, hinein.
Kein Geruch aus dem Plumpsklo, alles prima gekalkt.
So ist es richtig, so macht man das halt,
Wir sagen Dir heute im Namen der Kinder „vergelte es Gotte“
für den sauberen Schulhof und die geputzten Aborte.
Wir machen das Hoftor jetzt hinter uns zu
und wünschen Euch allen geruhsame Ruh’.

Wir müssen nun weiter auf unserer täglichen Runde,
um alles zu kontrollieren und zu verkünden die Stunde.

Adieu Ihr Leut’ und lasst Euch sagen,
mittlerweile hat die Turmuhr schon 11 geschlagen.
Wir wünschen Euch allen eine geruhsame Nacht –
habt keine Angst, wir geben auf Euch alle Acht!

Schellen-Signal

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5. Station (Unnerport)

Schellen-Signal

Hört Ihr Leut und laßt euch saache
die Uhr hat eebe grad´ 10 nach 11 geschlaache.

Des Unnerdoor wird jeden Dach – dess wär doch gelacht
von uns Nachtwächtern persönlich ordentlich zu gemacht
Denn immerhin wohne mir gleich hier hinner dem wackelische Steeg
übber die Furt wo die Homburjer-Gass in de Ort enei geht.
Denn mir Wachleut sind wie die Hirte außerhalb zu Hause
Wohne net im Ort, naa mir wohne da drausse.
Nur um Euch noch besser zu schütze und auch zu bewache
Mir habbe abber kaa Angst, naa – über Angst könne mir nur lache

Mir bewache uns selber, unn unsern Nachber de Chosse-Maut-Eitreiber
auch wenn deen kaan Fremde maach, weder Männer noch Weiber.
Abber von dem seime Penunze, die jeder Fuhrmann muß bleche
Bezahlt unsern Schultheiß später so manch dicke Zeche.
Des iss aach ganz richtig, denn da die bei uns durch die Gasse duun fahre
mache se unser Gass ganz kaputt - mit ihre schwere Waache.

Mir habbe jetzt unsere däächlisch Runde gedreht
Es war wieder mühsam – unn es is widder speet.
Die Doore sinn zu, unser Kirdorfer liehe im Bett
egal ob Denfeld, ob Göbel, Braun, Braum oder Hett.
Ob Odenweller, Henrich, ob Boß oder Rath
unn aach de Molitor, de Bender, de Sauer unn de Raab

Hört Ihr Leut´unn lasst Euch sache
Die Kirchtumuhr hat schon widder geschlaache
Mir wünsche Euch alle eine geruhsame Nacht
- und habt kaa Angst – mir passe auf euch acht!

Schellen-Signal
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Erstellt im Juli 2006
Silvia Schenk & Stefan Ohmeis

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Termine

3.8.2017, 20:00 Uhr, Forschertreffen, Museum

18. - 20.8.2017, 1125-Jahr-Feier, Am Brunnen, St. Johanneskirche, Bachstraße und Hof des Schwesternhauses (Programm bitte den Plakaten entnehmen)

18.8.2017, 20:00 Uhr, "Historischer Überblick", Festzelt am Brunnen

19.8.2017, 15:00 Uhr, Eröffnung der Ausstellung "1125 Jahre Kirdorf", Heimatmuseum

14.9.2017, 20:00 Uhr, Forschertreffen, Museum

26.10.2017, 20:00 Uhr, Forschertreffen, Museum

28.10.2017, 19:00 Uhr, K i M (Kino im Museum), Museum

18.11.2017, 19:00 Uhr, Musikalischer Babbel-Abend, Museum

18.1.2018, 20:00 Uhr, Forschertreffen, Museum

1.3.2018, 20:00 Uhr, Forschertreffen, Museum

24.-26.5.2019, Feier 100 Jahre CV Heiterkeit

Juli 2019, 125 Jahre Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Kirdorf