Rübengeister: Die schaurige Urform von Halloween
Ein schauriges Lächeln, ein flackerndes Licht und schon erscheint der Herbst nicht mehr so dunkel. „Rübenköpfe“ sind ein alter Herbstbrauch, bei dem Kinder Futterrüben aushöhlen, Gesichter hineinschnitzen und sie mit Kerzen zum Leuchten bringen. Die geschnitzten Fratzen, im Dialekt auch „Rangeköpp“ genannt, zierten Fensterbänke und Vorgärten. Früher zogen Kinder damit von Haus zu Haus und erschreckten die Leute. Mancher mag sich noch daran erinnern, für andere sind Rübengeister eine vergessene Tradition. Doch die Erinnerung daran hat sich in Kirdorf bis heute erhalten.

Leuchtende Rangeköpp
Früher haben viele Kleinbauern Runkelrüben, die auch Dickwurtz oder «Range» genannt wurden, als Viehfutter angebaut, aber mit der Aufgabe der Landwirtschaft sind die Futterrüben auch in Kirdorf längst ausgestorben. Im Herbst konnten die Rüben geerntet werden. Die dicksten von ihnen wurden von den Kindern vor dem Verfüttern gerettet und mit etwas Geduld, Kreativität, scharfen Messern und einem Löffel zum Aushöhlen in herrliche Rübengeister verwandelt. Und wenn es früher dunkler wird, sehnt man sich auch in Kirdorf nach allem, was etwas heller macht - so auf die leuchtenden Gesichter der Rübengeister, in die man eine Kerze hineinstellt. Vor vielen Häusern konnte man einst Runkelrübengeister leuchten sehen. Eine Tradition, die aber in den letzten Jahren verloren gegangen ist. „Für uns Kinder gehörte es im Herbst dazu, schaurig schöne Rübengeister zu schnitzen, uns darn zu erfreuen und abends mit Freunden und unseren «Rangeköpp» durch den Ort zu ziehen und Leute zu erschrecken“, schildert Stefan Ohmeis vom Kirdorfer Heimatmuseum sichtlich amüsiert.
Rangeköpp-Schnitzen im Kirdorfer Heimatmuseum, 2019
Der Brauch wurzelt in alten Licht- und Erntedankfesten. Wenn die Tage kürzer und die Nächte kälter wurden, sollten die Rübenlichter Schutz bringen und böse Geister fernhalten. Gleichzeitig markierten sie das Ende der Erntezeit, eine Schwelle zwischen Sommer und Winter und somit Leben und Vergänglichkeit.
Seit den 1990er-Jahren verdrängt das amerikanische Halloween mit seinen Kürbisfratzen den alten Rübenbrauch zunehmend. Doch das Prinzip ist dasselbe: eine leuchtende Fratze, die in der Dunkelheit Schutz verspricht. Es gibt allerdings deutliche Unterschiede zwischen den kleinen Rübenumzügen und Halloween: „Die Kinder sind nicht verkleidet. Es werden Rüben statt Kürbisse verwendet und es wird nicht, wie bei Halloween mit «Süßes oder Saures», um Süßigkeiten gebettelt. Der Brauch mit den Runkelrüben ist einer der uralten christlich-heidnischen Erntedankbräuche“ erläutert Waldemar Wehrheim. Das Kirdorfer Heimatmuseum hat das Rübenschnitzen bereits mehrmals wiederbelebt, mit großem Erfolg. Vielleicht regt dieser Artikel dazu an, auch im nächsten Jahr wieder einmal Rübengeister zu schnitzen und mit ihnen Licht in den dunklen den Herbst zu bringen.







