Johannes Raab -Kirdorfs bedeutendster Bürgermeister


Johannes Raab wurde am 3. April 1826 in Kirdorf als zweiter Sohn des Strumpfwebers Johann Diederich Raab (*2.3.1792 + 18.10.1853) und dessen aus Roßbach in Bayern stammende Ehefrau Eva Raab, geborene Schwindt (*ca. 1794 + 3.6.1860), im Hause seiner Eltern in der Bachstraße (mit der Baufolgenummer) 130 ¾, der späteren Nr. 9 geboren. Der älteste Namensträger in Kirdorf war der etwa 1625 geborene Daniel Raab.

Johannes Raab besuchte die Kirdorfer Volksschule. Zunächst war er als Strumpfweber tätig, bevor er im jugendlichen Alter von 20 Jahren im Jahre 1846 vom Landgrafen Philipp von Hessen-Homburg zum Schultheiß in Kirdorf bestellt wurde. Eine formelle Voraussetzung zum Erhalt des Schultheißen-Amtes war, daß Johannes Raab verheiratet war. Dieser Umstand soll sich förderlichen darauf ausgewirkt haben, daß Johannes Raab am 28.9.1845 in seiner Heimat­gemeinde die ebenfalls aus Kirdorf stammende Anna Maria Bender (* 28.2.1827 + 4.8.1892) heiratete. Aus dieser Ehe entstammen 11 Kinder. Ein Bild von Anna Maria Raab, geb. Bender ist im Buch „Das alte Kirdorf im Bild“ auf Seite 126 zu sehen. Das Bürgermeisteramt war in seinem Wohnhaus Bachstraße 9 untergebracht.

Nach einer Verwaltungsreform im Jahre 1849 konnten die Kirdorfer Einwohner erstmals selbst ihren Bürgermeister wählen, wobei sie am 6. März 1849 ihren bisherigen Schultheißen Johannes Raab wählten. Er wurde zum damaligen konstituierenden Landtag Hessen-Homburg berufen, um als Abgeordneter die selbständigen Gemeinden Kirdorf und Oberstedten zu vertreten, wo er lebhaften Anteil an dem Zustandekommen der Verfassung hatte.

Während seiner 35jährigen Amtszeit versah Bürgermeister Johannes Raab, der auch als Oekonom und Fabrikant (vermutlich Strumpffabrikant) tätig war, seine Aufgabe mit großem Engagement und Schaffensdrang. „Er vertrat stets die Interessen seiner Gemeinde, sowie aller, die ihn um Rat fragten“ Dadurch erlangte er ein hohes Ansehen. In seine Amtszeit fielen insbesondere die Schaffung des Homburger Kurparks (innerhalb der Kirdorfer Gemarkung), die Umgemeindung des Homburger Kurparks (1857), der Bau der riesigen St. Johanneskirche (1858-1862), die Abtretung der Hom­burger Gärten an Homburg (1858), die Ansiedlung der Schwestern der Göttlichen Vorsehung (1867), die Turbulenzen mit der benachbarten Stadt Homburg während der Kulturreform, der Bau des Schwesternhauses (1873-1874), die Errichtung einer Kapelle auf dem Friedhof an der Friedensstraße (1876) sowie die Errichtung des neuen Hochaltars in der St. Johanneskirche (1880). Er verfügte über sehr gute Beziehungen zu dem Mainzer Bischof Wilhelm Emanuel Freiherr von Ketteler, was u.a. dazu führte, daß Kirdorf erst nach beider Tod 1884 dem Bistum Limburg eingegliedert wird.

Für seine Verdienste wurde ihm für sein über 25jähriges öffentliches Engagement 1873 vom Großherzog in Darmstadt der Orden „Hessisches Ehrenzeichen für langjährige Treue und Dienste“ verliehen, das auf dem Foto abgebildet ist. Noch in der Sitzung der Kreisversammlung am 1. Oktober 1881 wurde Bürgermeister Raab in die Kommission zur Abschätzung des Kriegsleistungsgesetzes (zuständig für Transportmittel und Gespanne), als Schiedsmann zur Abschätzung von seuchekrankem Vieh vor der polizeilichen angeordneten Tötung und als Vertrauensmann des Ausschusses zur Festsetzung von Schöffen- und Geschworenenlisten gewählt. Er dürfte aber keine Zeit mehr gehabt haben, um in einem dieser Ausschüsse tätig zu werden.

Bürgermeister Johannes Raab starb im Alter von nur 55 Jahren am 31. Oktober 1881. Er wurde unter großer Teilnahme der Bevölkerung auf dem Kirdorfer Fried­hof an der Friedensstraße beigesetzt.

Das aus rotem Sandstein bestehende Grabmal mit aufgesetztem schmiedeeisernem Kreuz ist noch erhalten und steht zur Erinnerung an diesen heraus­ragenden Kirdorfer unter Denkmalschutz (Abbildung im Buch „Das alte Kirdorf im Bild“ auf Seite 52). Auf einer separaten Platte vor dem Grabmal sind ein paar lobende Verse des ebenfalls sehr bekannten und beliebten Küsters Göbel verewigt.

Nach seinem Tode übernahm der Beigeordnete Christoph Ament vorübergehend das Bürgermeister­amt, bis der älteste Sohn von Johannes Raab, Heinrich Raab (* 7.3.1947, + 30.11.1912) seine Stelle als Bürgermeister übernahm, die er bis nach der Eingemeindung inne hatte. Ein Bild von ihm ist ebenfalls im Buch „Das alte Kirdorf im Bild“ auf Seite 126 zu sehen.

An die beiden Bürgermeister Johannes und Heinrich Raab erinnert die 1935 errichtete „Raabstraße“, eine Verbindungsstraße, die von der Herrnackerstraße zur Friedberger Straße verläuft.


Im Dezember 1999
Heinz-August Raab und Stefan Ohmeis

Stand: 2.11.2003 / SO

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