Erinnern Sie sich noch an die Kittelschürzen?
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Frisch geschürzt und motiviert - Kittelschürzenträgerinnen um 1968
Für udie Bad Homburger Großmütter und teilweise auch noch für unsere Mütter waren Kittelschürzen ein nicht wegzudenkendes Stück Alltag. Auf vielen historischen Bildern sind Frauen mit diesem praktischen Kleidungsstück zu sehen. Sie waren einst das Symbol für Tatkraft, Fürsorge und Alltagskönnen. Die Schürze wurde früh morgens übergestreift und schützte die Kleidung beim Kochen und Putzen, im Garten, bei der Feld- und Stallarbeit. Die Kittelschürze entstand in den USA und wurde während des Ersten Weltkrieges als praktische Hausarbeitskleidung propagiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Kittelschürze auch in Kirdorf populär. Sie waren weit mehr als praktische Arbeitsschürzen – sie waren für uns Kinder auch ein Stück Zuhause, ein Zeichen von Fleiß und Fürsorge, manchmal auch ein bisschen Zauberei. In ihren Taschen steckten Wäscheklammern, Staubtücher, Bonbons für uns Kinder, ein altes Kuchenrezept oder ein Taschentuch für den Schweiß oder für die Tränen. Mit der Schürze wurden nicht nur Kartoffeln geschält und Wäsche aufgehängt oder die Brotkrümel mit einer geübten Handbewegung in den Kittelschurz befördert und ins Freie getragen. Sie waren auch Einkaufstasche und Transportmittel für allerlei Dinge, wenn sie am unteren Ende geschickt wie ein Beutel zusammengebunden oder zusammengehalten wurde.
Waldemar Wehrheim erinnert sich: „Die Kittelschürze war auch unentbehrlich beim jährlichen Hausputz, erzeugte bei uns zuhause aber oft Unbehagen. Wenn meine Schwiegermutter mit grimmigem Gesicht und Kopftuch auftauchte, läuteten alle Alarmglocken. Ihre Kittelschürze war gefüllt mit Reinigungsutensilien, ihre linke Hand hielt den Wischmopp und in der rechten Hand hielt sie den Putzeimer. Bei diesem Anblick bekam mein Schwiegervater weiche Knie. Es galt »Alarmstufe rot« und es half nur die Flucht. Also schwang sich mein Schwiegervater auf sein Motorrädchen und suchte im geliebten Kirdorfer Feld sein Heil.“ Allgemein verkörperte die Kittelschürze Geborgenheit. Sie war ein Band zwischen den Generationen, war Gehhilfe für die Kleinsten, hat Geschichten erzählt, getröstet und das Leben erklärt. Und irgendwann sagte die Mutter zur Tochter: „Kind, schlüpf doch mal in die Schürze, hilf mir beim Apfelkuchen“. Dann war klar, die Kittelschürze war in der nächsten Generation angekommen.
Mit der Frauenbewegung ab den 1970er-Jahren und dem Wandel der Rollenbilder verlor die Kittelschürze an Bedeutung. Sie wurde zunehmend als Symbol der traditionellen Hausfrauenrolle gesehen und verschwand langsam aus dem Alltag. Aber inzwischen erlebt sie ein kleines Comeback. Sie bleibt eine liebevolle Hommage an unsere Mütter und Großmütter, die sie über Jahrzehnte hinweg selbstbewusst getragen haben.
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Bäuerinnen mit der obligatorischen Kittelschürze bei der Heuernte
Wenn sich der Sommer so langsam verabschiedet und sich die Felder golden färben, Äpfel und Birnen an den Bäumen reifen und Kartoffeln eingebracht werden, dann beginnt in bäuerlich geprägten Regionen – wie im früheren Kirdorf – traditionell die Zeit des Dankes. Das Erntedankfest erinnert daran, dass ein Arbeitsplatz, eine gute Ernte, ausreichend Nahrung und ein gedeckter Tisch nicht selbstverständlich sind. Es würdigt die Früchte der Erde aus Landwirtschaft, Obstbau und Garten ebenso wie die Arbeit all jener Menschen, die säen, pflanzen, pflegen, ernten, verarbeiten und unsere Lebensmittel bereitstellen. Im christlichen Verständnis richtet sich der Dank an Gott als Schöpfer und Bewahrer des Lebens. Dabei geht es nicht ausschließlich um eine große Ernte. Erntedank erinnert ebenso an die Verantwortung, Lebensmittel zu achten, die Natur zu bewahren und mit Menschen zu teilen, denen das Nötigste fehlt. In Kirdorf wird das Erntedankfest traditionell am ersten Sonntag im Oktober gefeiert.
Als Zeichen der Dankbarkeit und Wertschätzung sowie als Aufforderung zum Teilen und zum bewussten Umgang mit Lebensmitteln werden im Altarraum des Taunusdoms Früchte, Obst, Gemüse, Getreide, Kartoffeln, Brot, Kräuter und Blumen ausgebreitet, die im feierlichen Erntedankgottesdienst gesegnet und später an Bedürftige weitergegeben werden. Das Erntedankfest verbindet bäuerliche Tradition mit Dankbarkeit und der Bitte, auch im kommenden Jahr wieder genügend Arbeit und Nahrung zu haben. In Zeiten von Arbeitsplatzverlust, fortschreitender Versiegelung von Ackerflächen, Klimawandel, zunehmender Hitze und noch nie dagewesener Trockenheit bekommen die Bittprozessionen im Frühjahr und das Erntedankfest im Herbst eine neue Aktualität.







